Meine Meinung

Nichts anderes als meine Meinung

Nigeria

Das Land (Federal Republic of Nigeria) ist nicht nur in einen islamischen Norden (50% der Bevölkerung) und einen christlichen Süden aufgeteilt, sondern noch dazu in einen dualen Konflikt zwischen Gesetzesrecht und Gewohnheitsrecht. Die Beschreibung der Lage in der Presse reicht von der „Talibanisierung“ Nigerias bis zur Auseinandersetzung zwischen Islam und Wudu Zauber. Ernster zu nehmende Quellen wie das amerikanische Außenministerium kennzeichnen die Lage in ihrem Jahresbericht 2010 so, dass Nigeria in Sachen Menschenrechte kaum Fortschritte gemacht habe. 

Vor diesem Hintergrund bestehen erhebliche Bedenken des Verfassers darüber, ob die im Internet erhältlichen Gesetze über Ehe und Familie, Scheidung, Unterhalt und Kinderschutz (alle aus dem Jahr 1990) sowie die Verfassung von 1999 als zuverlässige Rechtsquellen für ganz Nigeria gewertet werden können. Der Verfasser hält nur die folgende Aussage für zutreffend:

Die Verfassung und die Gesetze für das Familienrecht werden wohl im Süden als gültig einzustufen sein. Im Norden ist mit dem Einfluss der Scharia zu rechnen. Die nördlichen Gliedstaaten haben die Scharia eingeführt, was sich besonders in drastischen Strafen äußert. Dies gilt für alle Einwohner, nicht nur für Muslime. Jedoch ist auch diese Unterteilung nicht so einfach. Denn in einigen Fragen überwiegen dann doch auch im Norden die Gesetze der Bundesrepublik. In Sachen der elterlichen Sorge nach der Scheidung gilt auch bei islamischen Scheidungen der Matrimonial Causes Act 1970. Dieser sieht den absoluten Vorrang des Kindeswohls vor.

Zusammenfassend ist daher zu raten: Will eine Deutsche die Ehe mit einem muslimischen Nigerianer aus dem Norden schließen, so ist ein Ehevertrag dringend anzuraten. Es gilt die malekistische Richtung des Islam (Sunna). Das Muster des vor einem deutschen Notar zu beurkundenden Vertrags kann verwendet werden. Bei der Eheschließung mit einem Partner aus dem Süden kann auf einen islamischen Ehevertrag verzichtet werden.

Eine so geschlossene Ehe ist in Nigeria grundsätzlich gültig. Voraussetzung ist, dass sowohl der deutsche als auch der nigerianische Ehepartner entsprechend seinem jeweiligen Heimatrecht ehefähig, d.h. volljährig und geschäftsfähig, ist oder die entsprechende Einwilligung seiner gesetzlichen Vertreter nachweisen kann. Der nigerianische Ehepartner darf noch keine nach nigerianischem Recht gültige Ein- oder Mehrehe geschlossen haben.

Bei Erwerb der nigerianischen Staatsangehörigkeit auf Antrag muss auf die bisherige verzichtet werden, sofern diese bisherige Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt erworben wurde (Art. 28 Abs. 2 d. Verfassung).